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Author Topic: Hanging Story / german  (Read 5952 times)

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Offline joyfully

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Hanging Story / german
« on: March 25, 2009, 05:03:08 AM »
Julia
Ich bin seit Stunden wach. Heute war der große Tag. Der Zeiger meines Weckers weist auf Sechs Uhr dreissig.
Ich werde aufstehen, mich duschen, umziehen, einen Tee machen und dann draussen im Garten auf den Fahrer warten, der mich zum Gefängnis bringen wird.
Während in der Küche der Tee zieht, gehe ich zum Schlafzimmer zurück, an dessen Schrank das rote Seidenkleid in der Plastiktüte des Schneiders auf mich wartet.
Ich greife nach dem Kleid und streife es über, bevor ich mich vorm Spiegel drehe und einige letzte Falten glatt streiche. Das Gefühl der kühlen Seide auf meiner Haut steigert für einen Augenblick meine Erregung. Kaum dass ich, zurück in der Küche, die Tasse mit dem Tee ruhig genug halten kann.
In weniger als zwei Stunden würde ich entweder meine offizielle Berufung als Henkerin in den Händen halten, oder mich spätestens morgen früh als einfache Sergeantin zwischen Termitenhaufen und Spinnennetzen in irgendeinem Dschungelcamp im Norden wieder finden.
Draussen hupt der Fahrer, der mich ins Gefängnis bringen wird. Da es sich um eine Prüfung handelt, wird meine Kundin nicht den üblichen Weg in den kahlen Raum innerhalb des Gefängnisses gehen, in dem üblicherweise die Hinrichtungen stattfinden. Sondern im hinteren Gefängnishof vor Richterin, Arzt und meiner Prüfungskommission am grossen Galgen hängen. Was ihr und mir immerhin die ansonsten übliche Prozedur mit den Chipkarten erspart, auf die das Justizministerium neuerdings besteht.
Der gierige Blick des Fahrers, als ich auf den Rücksitz gleite. Ob er wohl weiss wer ich bin, und zu welchem Termin er mich heute Morgen chauffiert?
Jedenfalls scheint ihm zu gefallen, was er sieht. Ich erwische ihn dabei, wie er sich einige Male genüsslich mit der Zunge über die Lippen fährt, sobald er mich im Rückspiegel erblickt. Zumindest was ihn angeht, hat sich meine Investition in das sündhaft teure Seidenkleid wohl eindeutig gelohnt.

II. Ich schreite aufrecht vor meiner Kundin die Stufen zum Galgen herauf. Wobei ich mir jeden Augenblick der prüfenden Blicke der Kommission bewusst bin, die sich unterm Galgen im Hof versammelt hat, um meine Befähigung zur Henkerin zu bewerten. Hinter mir der weiche Tritt meiner Kundin, gefolgt vom festen Klacken der schweren Sohlen der Wärterinnen. Ich spüre den Atem meiner Kundin im Nacken. Höre das leise Rascheln ihres Rocks, immer dann, wenn sie einen zögernden Schritt vor den nächsten setzt.
Auf dem Gerüst angelangt, trete ich zur Seite, meine Blicke ganz auf die Gestalt meiner Kundin fixiert.
Sie ist hat gute Proportionen und einen aufrechten Gang, der das leise Wiegen ihres Hinterns bei jedem ihrer Schritte sanft betont.
Ich weiss, dass einige der Kommissionsmitglieder, die sich unten versammelt haben, bedauern, dass es mit ihr so weit gekommen war, dass sie mit kaum sechsundzwanzig bereits ihren letzten Gang anzutreten hatte. Und selbst in mir regt sich eine Sekunde leises Bedauern, als ich sie jetzt ergreife und unter die Schlinge ziehe.
Sie versteht es ihre Würde zu wahren. Den Kopf geneigt, bietet sie mir, fast wie in einem Opferritual, den Hals für die Schlinge dar. Meine Hände, die während ich ihr die mit dunklen, weichen Leder umwundene Schlinge überstreife, sanft über ihre samtige Haut streichen.
Ein letzter Blick, ich rücke den Knoten zurecht. Trete von ihr ab und betrachte mein Werk. Die obersten beiden Knöpfe ihres Oberteils stehen offen.
Die Wärterinnen, die sie vorhin beim Einkleiden beaufsichtigten, haben nicht aufgepasst.
Ich trete noch einmal an sie heran, schliesse die Knöpfe, spüre dabei ihre aufgeregten Atemzüge und das heftige Beben ihrer vollen Brüste unter dem Stoff.
Augenbinde und Priester hat sie bereits unten in der Verwahrzelle abgelehnt.
Somit – die Vorbereitungen abgeschlossen. Ich wende mich um. Vier Schritte zum Hebel.
Bereit.
Wie sie dort so ruhig und gefasst mit der Schlinge um den Hals auf der Falltür steht, regt sich ein letztes Mal stilles Bedauern in mir.
Ihre runden Schenkel, die sich plötzlich unter dem Stoff des Rockes spannen.
Unglaublich intensive Erregung, die mich erfasst, sobald sich meine Hand um den glatten Griff des Hebels legt.
Ein Stoss.
Metall, das über Metall reibt.
Der Knall, mit dem sich die Falltür öffnet.
Den Bruchteil einer Sekunde scheint meine Kundin zu schweben - plötzlich der Fall.
Der Strick strafft sich, zittert einige Male, bevor er Sekunden später knarrend zur Ruhe kommt.
Das beifällige Nicken der Richterin zu Füssen des Schafotts, jagt mir freudige Schauer über den Rücken.
Kein Zweifel: ich habe es geschafft. Ich, von nun an Henkerin.
Ein allerletztes Zittern des Stricks zeigt mir, dass meine Kundin auf dem Weg in den Tod beim letzten Strecken und Zucken angelangt ist.
Zehn Sekunden.
Zwölf Sekunden.
Ruhe.
Meine erste Kundin hat es hinter sich gebracht.
Ich nicke den Wärterinnen zu, wende mich ab und steige die Stufen des Schafotts herab.
Verhaltener Applaus und Schulterklopfen aus den Reihen der Kommission, sobald ich mich unter sie mische.
Erneut Glückwünsche, nachdem zehn Minuten drauf, der Arzt an meine still in ihrer Schlinge hängende Kundin herangetreten und ihren Tod festgestellt hat.

III. Ich stehe in meinem neuen Büro, streife für die offizielle Feier meiner Ernennung, die neue noch etwas steife und ungewohnte Uniform von mir herab, ziehe das Seidenkleid wieder über, kicke die hohen Uniformstiefel unter den Schreibtisch und schlüpfe in schicke, farblich zu meinem Kleid passende Pumps.
Erst jetzt, fast eine Stunde nachdem ich meine Kundin angefertigt und die Beförderung erhalten habe, wird mir so recht bewusst, dass sich die drei Jahre Schufterei bei der Armee letztendlich doch gelohnt hatten. Erfolg zu haben fühlte sich verdammt gut an.
Nach der offiziellen Feierstunde, während der man mich in meiner neuen Stellung vereidigt hat, habe ich zu einem privaten Empfang in einer schicken, verschwiegenen Bar geladen. Und obwohl ich mich nicht erinnern kann, sie dazu gebeten zu haben ist auch die Richterin gekommen. So ganz ohne ihre züchtigen Kostümchen und die Robe, fällt mir auf, wie attraktiv sie eigentlich ist.
Ein schönes klar geschnittenes Gesicht mit ausdrucksvollen, zum Lächeln aufgelegten stechend grauen Augen und eine Figur, die sich bei aller Bescheidenheit, mit meiner durchaus messen kann. Selbst, wenn sie für meinen Geschmack alles in allem, vielleicht ein wenig zu schmal wirkt.
Auch hier wieder die Gerüchte über eine neue Offensive der Guerilleros in den Sümpfen im Norden, und die Versicherung dass es Zeit wird endlich auch ihre Helfer hier in der Hauptstadt und den Touristenzentren am Meer, aufzustöbern und ihrer gerechten Strafe zuzuführen.
Scheint als ob ich mich angesichts der Politik der neuen Regierung um mangelnde Kundschaft nicht zu beklagen haben werde.
Die Fete war wie solche Feten eben sind. Wirklich interessant schien mir einzig, dass die Richterin dem Generalstaatsanwalt einen Korb verpasste, aber mir ihre Visitenkarte mit ihrer Privatnummer zusteckte, bevor sie sich verabschiedete und ging.
„ Lassen Sie uns doch mal was trinken gehen, meine Liebe. Wir sind so wenige Frauen im Justizdienst, wir sollten zusammenhalten, finden Sie nicht?“

IV. Meine Vermutungen hinsichtlich der Politik der neuen Regierung haben sich bestätigt. Seit die Armee die Offensive der Guerilleros erfolgreich zurückschlagen konnte, setzt die Generalstaatsanwaltschaft nunmehr beinah alle zwei Wochen eine Hinrichtung an.
Selbst, wenn ich bei den Urteilsvollstreckungen der Männer nur zu assistieren habe, waren doch immerhin auch zwei junge Frauen abzufertigen, die vergeblich versuchten den Bahnhof der Hauptstadt in die Luft zu jagen. Einer von ihnen mussten wir sogar einen Beißriegel verpassen, so wild hat sie sich gewehrt.
Ich hasse das. Es ist so verdammt würdelos.
Doch heute Abend habe ich es endlich geschafft mich mit Julia, der Richterin, zu verabreden.
Das Cafe, in dem wir uns treffen, ist eine bekannte Spielwiese der Schönen und Reichen. Normalerweise verschwende ich meine Zeit nicht mit solchen Schickimickitränken. Aber ich bin aufrichtig neugierig auf Julia, und so schlimm, rede ich mir ein, wird es wohl an einem Donnerstagabend nun auch nicht werden.
Ich habe mein neues langes Kleid aus dem Schrank geholt, die unbequemen Pumps mit den hohen Absätzen übergestreift und meine beste Handtasche mit dem was frau so für einen Abend braucht gefüllt.
Der Gorilla, der vorm Eingang des Cafes die bloß Guten von den nur Armen scheidet, lässt mich erst hinein nachdem ich meinen Ausweis der Justizbehörde gezückt habe.
Julia scheint sich zu verspäten. Ich kann sie nirgendwo entdecken, als ich mich in dem weitläufigen hellen Raum umsehe.
Oder?
Nein, das ist sie nicht.
Ein weiterer Blick.
Ein Nicken.
Julia.
Tatsächlich.
Ohne ihr Zeichen hätte ich sie nicht erkannt. Ein Bolerojäckchen über einem engen Seidenrolli zu einem gerade geschnittenen langen Rock, der ihre schönen Beine betont. Das Schärfste jedoch ist die Sonnenbrille, die sie sich jetzt wie eine Studentin ins lange dunkle Haar steckt. Ich bin gehörig beeindruckt.
„ Hallo Sophia.“
Ihr Lächeln wirkt irgendwie anzüglich. Ihre dunkel geschminkten Lippen gleich drauf an meiner Wange, ihre weiche Zunge, die den Bruchteil einer Sekunde meine Haut berührt.
Das ist mehr als ein Willkommensküsschen unter Freundinnen. Ein Schauer überläuft mich. Sie muss wissen, dass ich heimlich auf Frauen stehe.
„ Hallo Julia.“
Mein Lächeln muss süss wie Zucker sein.
Zwei Stunden Cappuccino und schwerer roter Wein, dann Julias kleiner roter Sportwagen und vor meinem Haus ein intensiver, wie aus dem Nichts gekommener Kuss.
Bevor ich noch die Wohnungstür auf schliessen konnte, waren ihre Hände bereits unter meinem Rock und auf meinen Brüsten. Danach schafften wir es kaum aufs Bett.
Ihre Brüste, die mir voll und sanft gerundet, entgegenstanden, sobald sie ihren Rolli über den Kopf gestreift hatte. Dazu ihr Rock, der sich weich um ihre wundervollen Schenkel schmiegte. Ihr Hintern von den Hochhackigen, die sie trug, saftig zur Geltung gebracht, machte mich beinah wahnsinnig.

V. Weitere vier Wochen später standen lange geplante drei Wochen Urlaub, in New York an. Bevor ich Julia traf, hatte ich mich auf diese Tage in der Stadt, die so viel freier war, als unsere kleine Hauptstadt gefreut.
Als es dann soweit war, konnte ich es schliesslich nicht wirklich geniessen. Julia hatte betrübt unaufschiebbare Verpflichtungen angeführt, die sie angeblich daran hinderten gerade jetzt zu verreisen.
Immerhin konnte frau in New York auch allein ihren Spass haben. Selbst wenn es nicht dasselbe war, wie es das zusammen mit Julia gewesen wäre. Da war diese große Brünette und da war dieser Kerl aus der Hotelbar und dieses herrlich obszöne Mädchen, das kaum Zwanzig gewesen sein konnte.
Ich las kaum Zeitung und sah nur sehr selten fern. Ein Fehler, wie sich herausstellen sollte. Ich war keine Woche von zu Hause weg – da klopfte der Kurier unserer Botschaft mit dem Befehl sofort zurückzukehren an meine Hoteltür.
Erstaunt fragte ich, was denn so dringendes anliege.
„ Sie haben es noch nicht gehört? „
Ich verneinte.
„ Der Präsident hat zu einem entscheidenden Schlag gegen die Rebellenarmee ausgeholt. Dieses Mal ist es endgültig vorbei mit ihnen. Ein paar Reste mögen sich noch in den Bergen im Norden versteckt haben, aber die stellen keine Gefahr mehr dar. „
„ Schön – lange genug hat es ja gedauert. Was hat das mit mir zu tun – ich bin keine Soldatin mehr, sondern beim Justizministerium.“
Ich mochte den Kerl nicht. Vor allem aber mochte ich die Blicke nicht, mit denen er mich bedachte.
„ Die Armee hat Gefangene gemacht und die haben geredet. Es gab eine Verschwörung in der Hauptstadt, an der sogar Armeeangehörige und hochgestellte Staatsbeamte beteiligt waren. „
Ich mochte mir nicht vorstellen, WIE die Armee diese Gefangenen zum Reden gebracht hatte.
„ Vor zwei Tagen hat man die Verschwörer bei einem ihrer Treffen überrascht und verhaftet. Die Schnellverfahren laufen bereits. Die Anklagen lauten auf Hochverrat. Es wird Arbeit für Sie geben. „
Was blieb mir übrig? Ich tat, was von mir erwartet wurde, packte meine Sachen und flog am nächsten Morgen mit der Sondermaschine, die sie zum Einsammeln aller derzeit auf Auslandsurlaub befindlichen Beamten gechartert hatten in die Hauptstadt zurück.
Bereits auf dem Flughafen – überall Panzer, Armeepolizei und schwer bewaffnete Nationalgardisten.

VI. Ich kann nur hoffen, dass nicht bereits schon heute eine Klientin abzufertigen ist, müde und zerschlagen, wie ich von dem langen Flug bin.
Im Justizpalast herrscht bedrückte Hektik. Umherhastende Polizisten, Sekretärinnen und Gardisten - vor den Aufzugtüren eine zwei Mann starke Wache mit Maschinenpistolen und kugelsicheren Westen.
Keiner, der sich auf meinem Weg den Flur zu meinem Büro hinunter, für mich interessiert hätte. Der Tragegurt der Reisetasche schneidet unangenehm schmerzhaft durch das dünne Leder meiner Jacke.
Im Büro werfe ich mir ein paar Hände voll kalten Wassers ins Gesicht. Scheiss auf das Make up, das dabei zum Teufel geht.
Keine Ahnung, woher der Militärpolizist gewusst haben sollte, dass ich bereits zurück war. Vielleicht hatte er den Wagen gesehen, oder war nur auf Gut Glück vorbeigekommen. Jedenfalls machte er wie es sich gehörte Männchen, legte die Hand an die Mütze und überreichte mir ein Bündel grün eingebundene Akten.
Grüne Akten bedeuteten Vollstreckungsbefehle. Sie hatten also bereits die ersten Urteile gefällt. Der Militärpolizist schlug die Hacken zusammen drehte sich zackig um und verschwand.
Ich warf die Akten auf den Schreibtisch, öffnete eine Flasche Mineralwasser und setzte mich, um mir meine Klientinnen anzusehen.
Nummer eins war die Freundin eines Oberst, die ihn für die Rebellen ausspioniert hatte. Ihr Blick auf dem Polizeifoto: willensstark und kalt. Möglich, dass sie zu denen gehörte, die bis zuletzt Schwierigkeiten machten. Ich machte eine Notiz.
Nummer zwei und drei waren Soldatinnen im zweiten Jahr ihres Dienstes. Zweiundzwanzig Jahre alt -verdammt jung, um zu sterben. Aber wohl nicht jung genug, um in ihrer Dienstzeit für die Rebellen Waffen zu stehlen.
Nummer vier jedoch – Julia. Ihr schönes Gesicht ausdruckslos starr, sah sie mir von dem Polizeifoto der letzten grünen Akte entgegen.
Ich weiss nicht, wie lange es dauerte, bis ich begriff, dass der Termin für die erste meiner drei Klientinnen – die Freundin des Obristen - bereits für heute Nacht angesetzt war.
Minutenlang muss ich verloren auf die vier grünen Akten auf dem Tisch gestarrt haben, bis ich mich endlich wieder soweit im Griff hatte, mir Julias Akte noch einmal vorzunehmen.
Schnell überschlug ich die Seiten mit ihren Polizeifotos, den Vernehmungsprotokollen und dem Urteil. Auf der letzten Seite der Akte musste ihr Termin vermerkt sein. Und die Art ihrer Hinrichtung.
Doch nichts. Bislang waren beide dafür vorgesehenen Spalten noch frei.
Ein gutes Zeichen?

VII. Sie liessen mich nicht zu ihr, als ich routinemäßig den Antrag stellte sie für ihre Vollstreckung zu begutachten. Angeblich lief ihr Begnadigungsverfahren noch.
Dafür wartete unten bereits der Wagen, den man mir zur Verfügung gestellt hatte, um meine Vorbereitungen möglichst rasch erledigen zu können.
Wie in Trance hockte ich im Inneren des Wagens, bekam kaum mit, wie der Fahrer mich durch die Stadt zum Gefängnistor, hindurch und bis zur Hintertür des Todestraktes brachte.
Im Vollstreckungsbefehl war unter der Rubrik Art der Vollstreckung Short Drop angegeben. Wenigstens, dachte ich, würde ich meine Kundin nicht mitten in der Nacht durchs halbe Gefängnis zum Galgen im hinteren Hof schleppen müssen.
Damit war es, was klare Gedanken anbetraf, für jene Nacht aber auch schon vorbei. Alles, weitere was ich in dieser Nacht tat, tat ich aus einem bis ins letzte Detail perfektionierten Automatismus heraus.
Noch immer in meiner Reisekleidung aus Jeans, Lederjacke, Stiefeln und hellem Body sah ich mir meine erste Klientin an. Ihr Haar hing beinah bis zum Hintern herab.
Ruppig gab ich Anweisung es vor ihrem Termin gefälligst kürzen zu lassen. Missmutig nahmen die beiden Dienst habenden Wärterinnen meinen Befehl entgegen.
Zu jedem anderen Zeitpunkt hätte ich mir meinen Befehl angesichts ihrer langen Gesichter womöglich noch einmal überlegt – an jenem Abend hörte ich mir jedoch nicht einmal ihre zaghaft vorgebrachten Einwände an, sondern drehte mich wütend um und marschierte direkt zu dem winzigen Büro, das ich im Gefängnis unterhielt, um mich umzuziehen.
Zwanzig Minuten später hatte man meiner Klientin die Haare auf Nackenlänge gestutzt und sie in das grünliche, einteilige Kleid für ihr allerletztes Rendezvous gesteckt.
Die Häftlingsnummer, die sie sonst in dem kleinen Täschchen aus durchsichtigem Plastik auf ihrer Brust trug, war bereits gegen das Kärtchen mit ihrem Chiffrecode vertauscht.
Sobald ich in meiner Dienstkleidung auf der Szene erschien, legte man ihre Hände in Fesseln und selbst der Priester, nach dem sie verlangt hatte, war beim letzten Spruch seiner Litanei angelangt.
Ich nahm ihre Chipkarte, zog sie durch den Leser neben der Zellentür und drängte zum Aufbruch.
Alles, was ich jetzt noch zu tun hatte, war meine Klientin aus der Vorzelle nach nebenan zu bringen, neben der Stahltür zum Hinrichtungsraum die Chipkarte noch ein weiteres Mal durch einen Leser zu ziehen, meine Klientin dann die vier Stufen zum Schafott hinaufzugeleiten, sie unter der Schlinge zu platzieren, sie ihr anschliessend über den Kopf streifen, ihr Fussfesseln und Augenbinde anzulegen und danach auf den Knopf neben der Falltür zu treten, der ihren Fall in den Tod auslösen würde.
Als ich schliesslich drei Minuten nach meinem zweiten Erscheinen in ihrer Zelle vor ihr stand, die Schlinge um ihren Hals liegen sah, ihre heftigen Atemzüge spürte, mir ihr Geruch nach Schweiss, Angst und Panik in die Nase stieg, und ich mich bereit machte, die Falltür zu öffnen, spürte ich zum allerersten Mal leise Wut und tiefes Bedauern darüber, dass ausgerechnet ich es war, die ihr Urteil zu vollstrecken hatte.
Ich riss mich zusammen, schloss die Augen wandte mich von ihr ab - trat auf den Knopf.
Wie der Strick knarrte, nachdem sie die vorgeschriebenen dreissig Zentimeter in die Schlinge gefallen war.
Ihr Kopf, der vom Knoten der Schlinge zur Seite gerissen wurde. Das heftige aneinander Reiben ihrer gefesselten Beine unter dem Rock, das Wippen ihrer Brüste im Oberteil.
Wie sie sich im Seil drehte, die Füsse auf der Suche nach Halt überdehnte, die Hände vergeblich öffnete und schloss, schliesslich nach ganzen vier Minuten, endlich zur Ruhe zu kommen schien, bevor sie Sekunden drauf ein allerletztes – und wie ich hoffte, bereits unbewusstes - Zucken durchlief.

VIII. Endlich: die Freigabe zur Begutachtung Julias. Allerdings verbunden mit einem Termin beim Justizminister.
Ich bin aufgeregt und zornig. Was wollen sie im Ministerium von mir? Haben sie etwa Verdacht geschöpft? Hat irgendwer etwas von meiner Verbindung mit Julia erfahren? Stehe ich selbst schon auf irgendeiner Verhaftungsliste?
Ich zögere meinen Aufbruch sinnlos hinaus. Aber mein Fahrer wartet. Auf der kurzen Fahrt schweigt er wie ein Grab.
Im Ministerium ungewohnte Ruhe. Meine Angst wächst. Endlich mein Aufruf. Ich betrete das Büro des Ministers. Ein grosser, miesepetriger Mann mit silbernen Haaren und dünnen Lippen. Doch bei ihm ist eine junge Frau mit dunklen Locken, Kussmund, und grünlich – kalten Augen.
Der Minister erhebt sich, reicht mir die Hand und stellt mir die junge Frau vor:
„ Darf ich bekannt machen- Alexandra Hagen. „
Shakehands.
„ Schon viel von Ihnen gehört. Ich freu mich riesig mit Ihnen zusammenarbeiten zu dürfen.“
Ihr Lächeln war so zuckersüß, wie falsch.
„ Sie werden Alexandra als Ihre Stellvertreterin ausbilden, Sophia. „
Von dem, was anschliessend im Büro besprochen wurde, habe ich nur noch eines in Erinnerung: Alexandra würde mir bei der Vollstreckung der beiden zum Tode verurteilten Soldatinnen assistieren, ihre erste eigene Kundin jedoch sollte – Julia sein.

IX. Ich starrte auf die Kamera vorm Gefängniseingang, ein Summen – die Tür schwang auf. Muffige Luft, Klappern von Absätzen auf einem stillen weiten Flur, von irgendwo Popmusikgedudel.
Ich trug meine Uniform, hatte die Aktentasche mit dem Staatswappen auf dem Deckel dabei. Heute würde ich mich zum ersten Mal ganz bewusst gegen meine strengen Vorschriften vergehen, indem ich bevor ich Julia begutachtete, die automatische Videoaufzeichnung ihrer Zelle manipulierte.
Der kleine Raum zu Beginn des Todestraktes, in dem sich die Rekorder und Monitore befanden, war leer, als ich die Tür öffnete. Sämtliches Wachpersonal hatte sich zur täglichen Teambesprechung im Keller des Gefängnisses versammelt. Ich streifte die ledernen Handschuhe meiner Galauniform über, bevor ich mich an dem Rekorder für Zelle 22 zu schaffen mache. Die halbe Nacht habe ich darüber nachgedacht, was ich tun könnte, um den Rekorder unauffällig zu manipulieren, schliesslich: die Idee. Ich würde eine der Sicherungen im rückwärtigen Teil des Gehäuses mit einer defekten Sicherung austauschen.
Zwei Minuten.
Drei.
Ich schiebe den Rekorder wieder an seinen Platz, verlasse den stickigen Raum, betrete den kalt ausgeleuchteten Gang vor den Todeszellen.
Ich höre die Schritte der Dienst habenden Traktwärterinnen, die Treppe hinaufkommen.
Meine Augen kalt geschäftsmässig, die Hände auf dem Rücken gefaltet, erwarte ich sie inmitten des Gangs. Knappes Nicken, bevor eine von ihnen die Plastikkarte zückt, mit der die Zellen geöffnet werden.
Vor 22 schiebt sie sie durch den Schlitz neben dem elektronischen Schloss.
Ein Klicken.
Ich weiss, dass sich die Verriegelung der Zellentür gelöst hat. Ausdruckslos stehe ich neben ihr, warte bis sie die Fesselgarnitur vom Koppel gelöst und durch die Zellentür geschlüpft ist, um meine Kundin zu fesseln, bevor ich ihr allein gegenübertrete.
Ich weiss nicht, wie lange es dauerte, bis sich die Tür wieder öffnete, die Wärterin erschien, mir mit einer kargen Geste Alles bereit signalisierte.
Mein Herz rast. Schweissperlen, die über meine Stirn und den Nacken kriechen, als ich Julias Zelle betrete.

X. Ich bin zurück in meinem Apartment. Mein Kopf schwirrt von dem, was ich gerade im Gefängnis gesehen, gehört und getan habe.
Julia, in dem Kleid der Todeskandidatinnen. Ihre wundervollen Augen, die mich in einer Mischung aus Verlangen und Mitleid ansahen, als sich hinter mir die Zellentür schloss. Ihre Hände auf dem Rücken gefesselt, trat sie mir zwei Schritt entgegen.
Einen Augenblick Schweigen, bevor ich auf sie zustürzte, ihr um den Hals fiel. Ihr Schrecken – sie konnte nicht wissen, dass ich die Videoüberwachung manipuliert hatte.
Meine Lippen, die nach ihren suchten, sie fanden – heftige Küsse, dann Julia, wie sie sich sanft abwandte, mir ihr Profil und den langen schlanken Hals darbot, als stünden wir bereits auf dem Schafott, das sie, laut dem Befehl, den ich bei mir trug, zu besteigen haben würde.
„ Jeder liebt den Verrat, keiner den Verräter. Dieses Regime nicht, und auch das nächste nicht. Ganz gleich, wer Sieger bleibt - ich bin für beide Seiten ein Ärgernis.“
Meine Hände, die sich um ihr Gesicht mit den vollen Lippen schliessen.
„ All die Todesurteile und Deportationen. Ich habe es nicht mehr ertragen. Ich musste einfach irgendetwas tun. Selbst wenn auch die Rebellen nicht viel besser sind, als die, gegen die sie kämpfen.“
Tränen in ihren Augen, die meine Zunge von ihrer weichen Haut leckt.
„ Es hat keinen Sinn sich noch irgendetwas vorzumachen: Du wirst tun, was du tun musst, hörst Du? „
„ Du weißt nicht, wovon du redest.“
Ihre Lippen legten sich auf meine Wange, ihre Zunge suchte nach meinem Mund. Einige köstliche Sekunden spielte sie mit meiner, bevor Julia sich erneut abwandte.
„ Oh doch, ich weiss wovon ich rede, glaub mir. Aber es hätte keinen Sinn, zwei für den Fehler der einen büssen zu lassen. Tu, was sie von Dir erwarten. Ich werde alles ertragen, wenn ich nur weiss, dass Du sicher sein wirst.“
Das Klingeln des Telefons unterbrach mich in meiner Erinnerung. Ich ignorierte es. War zu erregt, zu verunsichert, zu traurig und hilflos um ihm Beachtung zu schenken.
Der Anrufbeantworter sprang an, Alexandras Stimme tönte in die Stille.
„ Alexandra, hier. Ich weiss es ist spät und Sie hatten einen anstrengenden Tag. Doch es ist etwas passiert- man erwartet Sie im Gefängnis. Sofort.“

XI. Ich durchquerte die Schleuse zum Hochsicherheitstrakt, dann die zum Todestrakt der Frauen, die Helligkeit in Treppenhaus, Halle und Gang schnitt schmerzhaft in meine Augen.
Die Tür zum Büro war nur angelehnt. Alexandra und der Generalstaatsanwalt, zusammen mit zwei Uniformierten Polizisten. Das erste, woran ich denken musste, war: ein Ausbruch.
„ Wie gut, dass Sie es doch noch geschafft haben, Sophia. „
Angestrengter Sarkasmus im Stimmfall des Generalstaatsanwaltes.
„ Es hat Aufruhr unter den niedrigen Dienstgraden der Armee gegeben. Nachwirkungen, des Umsturzversuches nehme ich an. Vor allem unten im Süden. Wir haben Verhaftungen vornehmen müssen. Zwei der führenden Aufrührer gehören zum weiblichen Corps. Und wir haben Grund zur Annahme, dass es nicht bei diesen beiden bleiben wird.
Ich erwarte, dass Sie Alexandra so rasch als möglich in ihre neuen Aufgaben einführen, damit sie ihren Dienst im Süden spätestens nächste Woche antreten kann.“
Alexandra, die in Hab Acht Stellung dem Generalstaatsanwalt lauscht, wirft mir einen heißkalten Blick zu.
„ Ihnen ist klar, was das bedeutet: wir haben die anstehenden Vollstreckungen vorzuziehen. Ich schlage vor, Sie beginnen noch heute mit den beiden Soldatinnen, damit die Kommission spätestens morgen Nacht Alexandra anlässlich ihrer ersten eigenen Kundin prüfen kann. Wir beide wissen, um wen es sich dabei handeln wird. Sie haben sie schliesslich erst kürzlich begutachtet. „
Der Generalstaatsanwalt blättert einen Moment in den Akten auf dem Tisch.
„ Allerdings … vermisse ich hier in den Unterlagen …noch immer Ihren Bericht, Sophia.“
Er sieht von den Akten auf – mir direkt in die Augen.
„ Nun …?“
Mir bleibt nichts weiter, als den Bericht über Julias Begutachtung jetzt und hier mündlich abzugeben.
„ Laut medizinischen Gutachten steht ihrer Vollstreckung nichts im Weg. Aber sie ist renitent. Ich bin überzeugt, dass sie Probleme machen wird. Ich rate daher dringend davon ab, sie als Referenzobjekt für Alexandras Prüfung heranzuziehen. Diese Delinquentin verlangt eine sehr erfahrene Hand.„
Mehr konnte ich für Julia nicht tun.
„ Gut. Ich werde Ihre Bedenken in meine Überlegungen einfließen lassen.“
In Alexandras Gesicht die pure Verachtung für mich, die ich ihr ihre unerwartet rasche Beförderung versaut zu haben schien.
„ Trotzdem erwarte ich, dass Sie beide heute Nacht noch mit den notwendigen Vorbereitungen zur Vollstreckung dieser beiden verurteilten Soldatinnen beginnen. „
Der Generalstaatsanwalt nickte dem Uniformierten bei der Tür zu. Alexandra und ich waren fürs erste entlassen. Wie betont gleichgültig sie auf dem Weg nach draussen jeden Blickkontakt mit mir zu vermeiden suchte.

XII. Die brünette Soldatin fügte sich ergeben in ihr Schicksal. Still folgte sie jeder unserer Anweisungen. Legte gehorsam die Hände auf dem Rücken zusammen, als wir sie holen kamen, und schritt anschliessend mit gesenktem Blick, zwischen uns den hellen breiten Gang zum Raum mit dem Strang hinab.
Die übliche Prozedur mit der Codekarte und dem Lesegerät, das unbestechlich aufzeichnet, wann wir die Zelle verliessen, die Exekutionszelle betreten und unsere Kundin für tot erklärten.
Alexandra hatte, wie ich, den Lehrgang zur höheren Justizbeamtin absolviert und dabei natürlich auch - zumindest theoretisch - die in den Vorschriften minutiös festgelegten Abläufe einer Vollstreckung kennen gelernt. Und sie hatte nichts davon vergessen. Jeder ihrer Handgriffe wirkte sicher und überlegt. Und das selbst dann noch, als wir uns dem Bereich näherten, der nur dem speziell dafür ausgebildeten Personal vorbehalten blieb. Widerwillig begann ich innerlich ihrer außergewöhnlichen Ruhe und Professionalität Respekt zu zollen.
Unsere Soldatin zögerte einen Moment, sobald sie die von der hohen Decke herabhängende Schlinge entdeckte. Ein Zittern ging durch ihre Gestalt. Ihre geweiteten grauen Augen verschwammen zu zwei nebeligen Teichen.
Der Exekutionsraum: aseptisch, aufgeräumt und klar strukturiert, wie ein OP - Saal. Selbst die Uniform unserer kleinen Soldatin erinnert mit ihrem knielangem Rock und dem gleichfarbigen Oberteil an die Kleidung einer Op-Schwester.
Nur Alexandra und ich verwischen mit unseren schwarzen Lederröcken und glänzenden Stiefeln das Bild des Krankenhaussaals.
Ich bin sicher, dass unserer Kundin nicht klar gewesen sein konnte, was die Anweisung Short Drop, auf ihrem Vollstreckungsbefehl zu bedeuten hatte.
Ihr erstaunter Gesichtsausdruck angesichts des niedrigen Stahlrohrgestells, der vier Stufen und glatt polierten Standfläche, auf die sie hinaufführten.
Sie mag sich Mal um Mal allein in ihrer Zelle ihren Sturz ins Dunkle ausgemalt haben - mit den Aufbauten, denen sie sich jetzt gegenübersieht, kann ihre Phantasie nichts anfangen.
Etwas verändert sich in mir, als wir den Exekutionsraum zu Schlinge und Gestell hin durchqueren.
Nachsicht mit meiner Kundin steigt in mir auf.
Ihre tonlose Worte formenden Lippen. Einige Löckchen ihres Haars, die ihr vorwitzig um das schmale Gesicht spielen.
Ein Stolpern, als ich – nicht Alexandra – sie zu heftig die erste der vier Stufen zum Strick hinaufdränge. Meine Hände, die sich fester um ihre Oberarme spannen. Der Geruch nach frischem Schweiss und Angst, der mir stechender als je zuvor in die Nase steigt.
Wir sind angelangt. Unsere kleine Soldatin hat ihren Platz unter der Schlinge eingenommen. Alexandra, in deren Blicken unter der kühlen Distanz Ratlosigkeit aufscheint. Weiter als bis zu diesem Punkt reichte der Lehrplan ihrer Ausbildung nicht. Ich gebe ihr ein Zeichen zu bleiben, wo sie war. Dann trete ich um unsere Kundin herum.
Ich greife nach der Schlinge. Alexandras Griff um die Arme unserer Kundin werden instinktiv fester.
Es hatte eine Zeit gegeben, da ich genau jene Momente, in denen ich ihnen so nah kam, genossen habe. Das Hochgefühl der Macht, diejenige zu sein, die sie – ganz legal- wie es in der Urteilsformel hiess „ … von hier in die Ewigkeit“ beförderte, beflügelte mich. Selbst wenn sich unter den Rausch immer auch Scham gemischt hatte – letztlich überwog bisher immer noch der Rausch. Heute jedoch, nichts das einem Rausch nahe käme.
Ich streife der kleinen Soldatin die Schlinge über den Kopf, greife in ihre halblangen Haare, rücke den Ring, durch den der Strick läuft, an die rechte Stelle.
Ihre Kehle, die sich rasch nacheinander ein paar Mal auf und ab bewegt. Ihre panischen Augen.
Alexandra, in deren Gesicht sich plötzlich unnötige Härte und Entschlossenheit zeigt.
„ Was geschieht jetzt mit mir…? Das hier …ist …so …anders….“
Die Stimme unserer Kundin verzerrt von Panik.
„ Sieh mich an!“ fordere ich sie flüsternd auf “ Kämpf nicht dagegen an. Es ist nur ein kurzer Moment.“
Ich verachte mich für die dreiste Lüge, dennoch rollt sie mir so poliert und glaubhaft wie gewohnt über die Lippen.
Als ich jetzt von unserer Klientin weg, zum Rand der niedrigen Plattform trete – Erregung in Alexandras Augen. Ihre Schenkel unter dem Lederrock ebenso angespannt und straff, wie ihre schönen Brüste.
Zwei Sekunden Erinnerungen. Ich sehe ich mich selbst, wie ich damals so voll Stolz und Verachtung auf dem Galgen im Hof stehend, den Augenblick erwarte, in dem meine erste Kundin dem Sturz ins Nichts entgegenging. Durchlebe noch einmal jenes unglaubliche Hochgefühl.
Es geht vorbei. Ich zwinge mich zu dem Knopf zu treten und den Fall unserer Kundin auszulösen.
Die kleine Soldatin im Seil schwingend, nachdem der Boden unter ihren Füssen nachgab.
Bildbruchteile, die sich in meinem Hirn festsetzen. Alexandra, wie sie staunend am Rand der niedrigen Plattform stehend, jede Zuckung, jede noch so winzige Bewegung unserer in der Schlinge strampelnden Kundin in ihr Gedächtnis saugt.
Für Sekunden verspüre ich den Drang rückgängig zu machen, was ich mit meinem Fußtritt Augenblicke zuvor auslöste. Um mich abzulenken hefte ich meine Blicke auf die Digitaluhr gegenüber an der Wand.
Eine Minute.
Unsere Klientin spreizt die Beine, schlägt sie wieder zusammen, dreht sich in der Schlinge.
Bewegung geht in Ruhe über, die von erneutem Zucken, Treten, Strampeln und Drehen abgelöst wird.
Eineinhalb Minuten.
Dann volle dreissig Sekunden – Ruhe, einzig ihre Füße, die in schneller Folge auf und ab wippen.
Zweieinhalb Minuten.
Alexandra, die sich aufgeregt aufmacht, den Tod unserer Klientin festzustellen. Ich weiss es besser und halte sie zurück. Unter einer Zeit von drei Minuten war es bisher noch nie vorbei gewesen.
Und wirklich: gleich darauf– heftigeres Kicken und Zucken denn je. Doch immerhin zeigen die Lippen der kleinen Soldatin bereits eine bläuliche Färbung. Ein untrügliches Zeichen: Es ist so gut wie vorbei.
Dreieinhalb Minuten.
Ich öffne die drei Knöpfe ihres Oberteils, presse das Stethoskop auf ihre warm - weiche Brust, lausche dann die vorgeschriebenen zwanzig Sekunden vergeblich nach ihrem Herzschlag.
Trotz meiner Verachtung und leisen Scham zuvor ein Moment, in dem mir wie früher Adrenalin ins Hirn schiesst.
„ Erledigt. „ wende ich mich von unserer Kundin ab. „ Rufen Sie die Wache, damit die hier aufräumt.“
Alexandra, die daraufhin die Klingel betätigt, welche das Wachpersonal ruft, das die Leiche unserer Soldatin auf ein Rollbett legen, mit einem grünen Chirurgentuch bedecken und nach nebenan bringen wird, wo bereits Gehilfen der städtischen Pathologie darauf warten sollten.

XIII. Anschliessend zehn Minuten, die ich allein mit Alexandra im Büro darauf warte, dass die festgelegte Zeit für unsere zweite Kundin herankommt. Vielleicht habe ich mich davor gefürchtet solange mit ihr allein im Büro warten zu müssen. Doch ich habe wohl nicht mit der Intensität des Erlebnisses gerechnet das sie gerade hinter sich hat.
Ich habe Wärterinnen erlebt, die nur das Herbeischaffen der Kundinnen so sehr erregt und aufgewühlt hat, dass sie noch Stunden später über nichts anderes reden konnten. Wie Wasser in einem Katarakt strömen immer wieder dieselben Gedanken aus ihnen heraus. Andere hingegen hocken still und verschlossen in irgendeiner Ecke. Entgegen meinen Erwartungen scheint Alexandra zur letzteren Kategorie zu zählen.
Ein einziges Mal, auf dem kurzen Weg zum Büro spricht sie mich an.
„ Es ist so … intensiv. Furchtbar und aufregend zugleich.“
Ich nickte stumm, beschleunigte meine Schritte und hoffte, von nun an in Ruhe gelassen zu werden.
Meine Hoffnungen sollten sich erfüllen. Sobald wir im Büro waren, zog sich Alexandra in sich selbst zurück. Rauchte eine Zigarette und blickte ansonsten starr auf die Wand mit dem Dienstplan.
Als es Zeit war zu gehen, sprang sie auf, öffnete mir die Tür, hielt dann auf dem Weg zur Zelle unserer zweiten Soldatin respektvoll zwei Schritt Abstand zu mir. Auch das kannte ich.
Es ist eines nur davon zu hören, oder darüber zu sprechen, WAS meine Aufgabe innerhalb des Justizsystems war – etwas ganz anderes, meine Arbeit hautnah mitzuerleben. So weit auch ihre Beteiligung an der Hinrichtung der Soldatin gegangen war - auf den Knopf getreten, der den Tod unserer Kundin einleitete, hatte letztlich immer noch ich.
Der Bericht, den ich über unsere zweite Kundin angefertigt hatte, enthielt keinerlei Bedenken. Bei meinem Besuch in ihrer Zelle wirkte sie ebenso fügsam und gefasst, wie ihre Vorgängerin. Und tatsächlich deutete nichts auf irgendwelche Schwierigkeiten hin, als wir sie in ihrer Zelle in Empfang nahmen und über den Gang zum Exekutionsraum führten.
Sie war größer und fülliger als ihre Vorgängerin und um zwei Jahre älter. Davon abgesehen mochte sie in dem strengen, über ihrer Gestalt gespannten Kleid zu anderen Gelegenheiten, als ausgerechnet dieser, durchaus den ein oder anderen begehrlichen Blick auf sich gezogen haben.
Gräuliche Augen, die uns über einem schmalen Mund musterten.
Der Gang zur Exekutionszelle. Dann die geöffnete Tür. Unsere Soldatin zögert. Alexandra versetzt ihr einen sanften Stoss. Sie stolpert über die Schwelle in die Zelle. Unsere Kundin bemerkte es einen Moment vor Alexandra und mir. Irgendetwas war schief gelaufen.
Man hatte die Leiche der kleinen Soldatin zwar vom Strick genommen, und auf den stählernen Tisch gelegt, doch versäumt sie nach nebenan zu bringen. Ihre aufgestellten Nippel stiessen wie Speerspitzen gegen das dünne Chirurgentuch, das man über sie gebreitet hatte. Und nicht einmal ihr Gesicht war vollständig von dem Chirurgentuch bedeckt. Ihre bläulich angelaufenen Lippen und weit geöffneten Augen, die uns in einer Mischung aus Überraschung und Panik entgegenzublicken schienen.
Das Bild der Schlinge, in der sie nur Augenblicke später in den Tod gehen werden, können die meisten ertragen. Was jedoch bisher noch keine von ihnen ertragen konnte, war die direkte Konfrontation mit den Überresten ihrer Schicksalsgefährtinnen.
Unsere Kundin stiess einen dumpfen Ruf aus und versuchte sich aus unseren Händen zu befreien.
Es muss Minuten gedauert haben, ehe wir unsere um sich tretende, beißende und schreiende Kundin durch den Raum zur Plattform, die Stufen hinauf und unter der Schlinge gezwungen hatten.
Schweissperlen auf Alexandras Stirn und dunkle feuchte Flecken auf dem dünnen Uniformstoff unter ihren Armen und zwischen ihren Brüsten. Und auch ich war überzogen von einem feinen unangenehm klebrigen Schweißfilm, der an Brüsten und Armen meine Uniform fleckig macht.
Schliesslich hat Alexandra unsere weiterhin um sich tretende Kundin postiert. Ich greife nach dem Strick und streife ihr die Schlinge über den sich heftig hin und her werfenden Kopf.
Keine letzten Worte, kein Zurechtrücken von Schlinge oder Kleidung. Kaum habe ich die Schlinge um ihren Hals festgezogen, löst mein Tritt auch bereits den Fall unserer Kundin aus.
Das Strampeln und Zucken setzt sich volle zwei Minuten hindurch unvermindert fort, ehe sie dazu übergeht nur noch ihre Beine heftig aneinander zu reiben, sie danach einige Male schwungvoll anzieht und gleich drauf wieder ebenso heftig der Leere unter ihr entgegen wirft.
Alexandra und ich sehen ihr schwer atmend stumm dabei zu. Selbst nach drei Minuten hat ihr Strampeln kaum an Intensität nachgelassen.
Ich hasse, was ich nun zu tun habe, selbst schon während meiner Ausbildung. Doch mir bleibt keine Wahl.
Ich trete an unsere sich noch immer heftig streckende und bebende Kundin heran, lege ihr die Hände um die Taille - beuge mich zurück, hebe ihre Gestalt dabei um etwa vierzig Zentimeter an. Löse dann plötzlich meinen Griff um sie.
Sie fällt ein weiteres Mal wild strampelnd in die Schlinge.
Ich weiss, dass ihr darauf folgendes Beben und Zucken bereits ihren Gang über die Schwelle des Todes anzeigt.
Merkwürdig, wie sich der Eindruck von Zeit verändert. Jene zehn Minuten zusammen mit Alexandra im Büro - eine Ewigkeit. Doch eine ebenso lange Zeitspanne hier im Exekutionsraum - nur der Flügelschlag eines Schmetterlings.
Alexandra starrt mit aufgerissenen Augen gebannt immer noch auf unsere in bereits unbewussten Spasmen gefangene Kundin. Ihre Schenkel reiben sich noch einmal heftig aneinander. Anschliessend eine allerletzte Drehung, gefolgt von eigenartig unrhythmischen Zittern – unsere Arbeit ist getan.
„ Mein Gott“
Die sonst so kühle Alexandra tritt auf mich zu. Hartes Neonlicht, das dabei über den weichen Lederrock spielt. Ich weiss, dass sie, wie seinerzeit ich selbst, nach Zuspruch verlangt. Doch ich bin nicht bereit ihn ihr zu geben.
„ Sie sollten dafür sorgen, dass die Diensthabende Wachmannschaft eine Rüge dafür kassiert, dass sie es versäumt hat, ihren Job zu tun. Eine Schweinerei, dass die Überreste unserer ersten Kundin immer noch hier herumstehen, wenn wir bereits die nächste bringen.“
Alexandra wurde von meiner Bemerkung völlig überrumpelt. Gehorsam nickte sie mir beifällig zu, löste sich aus ihrer Starre und bewegte sich zum Ausgang. Alles, was fehlte, wäre dass sie in guter preußischer Soldatenmanier die Hacken zusammengeschlagen hätte.
Eines Tages würde sie einsehen, dass ich ihr mit meiner brüsken Abweisung einen besseren Dienst erwiesen hatte, als ich es mit tröstenden Lügen je gekonnt hätte. Beim Sterben und Töten ist jeder allein.

XIV. Ich habe den Befehl des Generalstaatsanwaltes vor mir auf dem Tisch. Man verzichtete auf eine erneute Begutachtung Julias. Ihr Termin steht fest. Sie wird wie geplant öffentlich im Hof des Gefängnisses gehängt.
Ich bin dazu ausersehen ihr zusammen mit meiner Schülerin den Termin ihrer Vollstreckung noch heute Morgen zu verkünden.
Julia war Richterin am obersten Gericht und damit weder einfache Zivilistin noch wirkliche Armeeangehörige. Doch man hat sich wohl letztlich darauf geeinigt, ihre Vollstreckung dem militärischen Protokoll zufolge anzuweisen. So hat es ein Offizier zu sein, der ihr den Termin verkündete, sie vorbereitete und anschliessend bis unter die Schlinge auf dem Galgen begleitete. Und sie waren wohl nicht so geschmacklos gewesen, irgendeinen von Julias ehemaligen Kollegen zu schicken. So blieben zur Verkündung nur der Gefängnisdirektor, oder ich. Und der Direktor drückte sich und schickte mich, hier im Gefängnis nominell seine nächste Untergebene.
Er konnte nicht ahnen, welchen Gefühlssturm er damit in mir auslöste.
Zum ersten Mal bin ich dankbar für Alexandras Begleitung. Ihre Anwesenheit wird mich aufrechterhalten, wenn ich Julia gegenübertrete.
Die Wärterin ist mit dem Ritual des Fesselns durch. Die Tür steht offen. Wir treten ein. Meine Knie werden weich. Ich habe Angst und bin doch gleichzeitig trotzdem FROH Julia zu sehen.
Wie beim letzten Mal steht sie, die Hände auf dem Rücken gefesselt, aufrecht, in der drei Mal vier Meter grossen Zelle.
Ihr Gesicht wirkt schmaler. Das blaue Gefängniskleid, das an so sehr an die Kleidung einer OP-Schwester erinnert, unterstreicht ihre Würde eigenartigerweise nur noch.
„ Julia Brentano, der Termin Ihrer Urteilsvollstreckung wurde festgelegt. Sie werden am 2. Januar um 10 Uhr morgens gemäß dem Urteil des 1. Armeesondertribunals von hier zu einem Ort gebracht, wo Sie solange am Halse aufgehängt werden sollen, bis dass Ihr Tod eintritt.
Ihr persönliches Vermögen verfällt an die Republik. Ihre sterblichen Überreste werden nach erfolgter Vollstreckung der Pathologischen Abteilung des Universitätskrankenhauses zugeführt. „
Ich kann kaum fassen, dass die Worte aus meinem Mund rollen.
Alexandra, die jetzt zum Glück neben mich tritt, Julia die Liste ihrer bei ihrer Verhaftung konfiszierten persönlichen Dinge vorliest und wie es das Protokoll verlangt, fragt, was DANACH damit geschehen soll.
„ Nehmen Sie sich, was Sie davon gebrauchen können. Den Rest – machen Sie damit, was Sie wollen.“
Julias Blicke, die während ihrer Worte, für den Bruchteil einer Sekunde in meinen Augen verharren. Unter der Panik und Scham, begreife ich, WAS Julia mit ihrem Angebot bezweckt: sie bietet mir an mir an, mir etwas davon zu nehmen, das mich immer an sie erinnern würde.
Alexandra, die mich sanft anstößt, aufweckt und daran erinnert, dass wir uns aufmachen sollten, die Vorbereitungen für Julias Rendezvous mit der Schlinge zu treffen.
Ich weiss nicht, wie ich aus der Zelle heraus, wieder auf den Gang kam. Später im Büro wirft mir Alexandra fragende Blicke zu, bevor sie sich wieder über die Formulare beugt, die sie als Julias angehende Henkerin nunmehr ganz allein auszufüllen hat.
„ Sophia?“
Sie blickt von den Papieren auf. In ihren blauen Augen nichts Kaltes mehr, sondern Neugier und vielleicht ein wenig Angst.
„ Sophia … ich meine … ist es IMMER so, wie es vergangene Nacht bei dieser renitenten Blondine war … so INTENSIV. Oder lässt das mit der Zeit irgendwie nach?“
Ich muss ihr antworten. Ich habe Julia versprochen, zu tun, was zu tun ist ohne mich dabei in Gefahr zu bringen.
„ Falls Sie wissen wollen, ob man sich daran gewöhnt - ja, das tut man früher oder später. Aber trotzdem bleibt es immer etwas Besonderes. Und falls Sie wissen wollten, wie es beim ersten Mal ist - das ist eine andere Frage.“
Ich kann kaum fassen, was ich da von mir gebe. Und auch Alexandra scheint nur teilweise befriedigt von meiner Antwort.
„ Also wie?“
„ Wie der erste Sex- bloß hundert mal intensiver. „
Am Schrank hängt ihre neue Uniform. Bei demselben Schneider zugeschnitten und angepasst, wie meine eigene. Ich frage mich, was er wohl dachte, als Alexandra mit ihrem Auftrag zu ihm kam.
Alles nur nicht an Morgen denken. Und doch wird mein Blick unwiderstehlich von meiner Uhr angezogen, deren Zeiger sich unbarmherzig weiter und weiter bewegen. Auf den MOMENT zu.
Alexandras sauberer, unschuldiger Geruch streift mich. Ich frage mich, ob ich selbst damals auch so gerochen hatte – so unangreifbar.
„ Werden sie zu meiner Vereidigung kommen, Sophia?“
„ Wenn es eine gibt.“
Alexandras Blick, der mir unmissverständlich klar machen soll, dass es an ihrer Vereidigung morgen wohl keinerlei Zweifel geben kann.

XV. Es ist kühl an diesem Morgen. Ich stehe mit zwei Generälen, ihren Adjutanten, einem Hauptmann der Garde, einem lächerlich kindlich wirkenden Staatsanwalt, dem Gefängnisarzt und dem Direktor im hinteren Gefängnishof. Dennoch hat die Gänsehaut über meinem Hals und den Armen nichts mit dem kalten Wind zu tun, der seit letzter Nacht von den Bergen herab in die Stadt weht.
„ Ich kenne sie ja nicht, aber sie soll ja eine phantastische Juristin gewesen sein.“
Der kindliche Staatsanwalt zu einem der Generäle, zwischen dessen zu einem Strich zusammengekniffenen Lippen nicht mal mehr eine Rasierklinge Platz gefunden hätte.
Ich bin sicher, dass sie auch, was die Zusammensetzung von Alexandras Prüfungskommission angeht, taktvoll genug gewesen waren, keinen zu schicken, der mit ihr bisher irgendwie näher zu tun hatte, oder sie gar persönlich kannte.
Ich stecke mir eine Zigarette an. Bestimmt die fünfzigste heute Morgen.
„ Da kommen sie.“
Die weiche Stimme des Gefängnisarztes. Alles wendet die Blicke zu dem schmalen Gittertor, durch das seit je her die Verurteilten in den hinteren Hof zum Galgen geführt wurden.
Alexandra geht, wie es vorgeschrieben ist, zwei Schritt vor der Verurteilen und ihren beiden Wärterinnen. Sie scheint so kühl und geradlinig, wie eh und je. Unwillig registriere ich, dass ihr ihre neue Uniform besser steht, als die vorangegangene.
Jetzt kann ich Julia sehen. Man hat ihr gegen die Kälte einen dunkel glänzenden Mantel über das dünne Kleid geworfen. Ihre Hände sind auf dem Rücken gefesselt und sie hält den Kopf gesenkt.
Während sich der kleine Zug aus Henkerin, Verurteilter und Wärterinnen nähert, streifen meine Blicke den Galgen, auf dem ich am Morgen Alexandras Vorbereitungen überwacht habe.
Julia nähert sich aufrecht und ohne zu zögern dem Galgen.
Ich beginne zu zittern, meine Knie werden weich. Julia wendet den Kopf um eine Winzigkeit - sucht meinen Blick.
Doch so sehr ein Teil von mir es auch will - es ist mir einfach unmöglich ihren Blick zu erwidern.
Ich wende mich ab.
„ Ich wusste ja gar nicht ...“
Höre ich den kindlichen Staatsanwalt flüstern sobald der Zug mit Henkerin, Verurteilter und Wärterinnen jetzt vor den Stufen zum Galgen stoppt, eine der Wärterinnen, den obersten Knopf des dunklen Mantels öffnet, ihn Julia abnimmt, faltet und über einer der hölzernen Gerüststreben ablegt.
Julia lässt alles ungerührt mit sich geschehen. Steht jetzt nur in dem dünnen olivfarbenen Gefängniskleid mit dem dreieckigen Ausschnitt dem halblangen Rock und den Plastiklatschen am Fusse des Galgens.
Alexandra, sieht nach einem der beiden ältlichen Generäle, der als Vorsitzender ihrer Prüfungskommission fungiert.
Ihre Kundin, der ich jetzt verschämte vom Schatten der Gefängnismauern abgeschirmte Blicke zuwerfe, wirkt einen einzigen Augenblick fast erwartungsvoll. Und so sehr ich mich auch dafür schäme, auch in mir regt sich irgendetwas, das es kaum erwarten kann, sie dort oben mit der Schlinge um den Hals, auf der Falltür stehen zu sehen. Ein Echo jener alten Erregung fährt mir in Unterleib Brüste und Schenkel.
Der General wirft umständlich einen Blick auf seine Uhr, bespricht sich dann flüsternd mit seinem Adjutanten, bevor er schliesslich mit einer harten Geste Julias Gang aufs Schafott freigibt.
Alexandra registriert seine Aufforderung und betritt, an Julia und den Wärterinnen vorbei, als erste die Stufen zum Galgen. In zwei Schritt Abstand folgt ihr der Rest des kleinen Zuges.
Der kindliche Staatsanwalt blickt den vier Frauen mit offenem Mund hinterher.
Der Gefängnisarzt sieht mich verdutzt an – ich hätte längst neben Alexandra auf dem Galgen sein sollen, um aus nächster Nähe die Handgriffe zu beurteilen, mit denen sie Julia auf die Falltür und ihren Hals in die Schlinge bringt.
Gehorsam setze ich mich in Bewegung, schreite die Stufen hinauf. Alexandra, die mich zusammen mit den beiden Wärterinnen und ihrer Kundin Julia bereits in leiser Ungeduld erwartet.
Ich trete an das Geländer neben dem Hebel, nicke ihr zu.
Alexandra ergreift Julia, drängt sie weich zu Falltür und Schlinge. Sowie es soweit ist, neigt ihr Julia gefügig ihren Kopf entgegen.
Alexandras Hände vollführen drei exakt einstudierte Handgriffe. Julias Hals liegt in der Schlinge aus dicken, weichen Kunststoff und sie steht genau jenen einen kurzen Schritt hinter den beiden auf die Falltür gezeichneten Kreuzen.
Alexandra schreitet stolz die drei Meter von der Falltür zu mir herüber. Blickt mich erwartungsvoll an, während ich mich nun ebenfalls in Bewegung setze - auf Julia zu. Ich bleibe vor ihr stehen. Sie erwidert meinen Blick einen Moment voll Zärtlichkeit, senkt dann den Kopf, wendet ihn einige Grad in der Schlinge von mir ab.
Kein weiterer Blick nötig, um festzustellen, dass Alexandra ihre Vorbereitungen nach allen Regeln der Kunst perfekt ausgeführt hat.
Julias tiefe, schnelle Atemzüge, ihre aufgestellten Nippel unter dem dünnen Stoff des Gefängniskleids. Obwohl ich weiss, dass Alexandra alles richtig gemacht hat, kann ich mich doch nicht länger beherrschen. Trete an Julia heran. Überprüfe scheinbar ein letztes Mal den Sitz der Schlinge. Noch immer sieht Julia, den Kopf nach rechts gewandt, an mir vorbei. Ich streiche sacht über die Schlinge, rücke um eine Winzigkeit an den Windungen des Knotens herum. Umgreife dann Julias Taille, vorgeblich um den Sitz der Fesseln zu prüfen, in denen ihre Hände liegen.
Ihr Geruch und das schnelle Beben ihrer Brüste, die mich dabei beinah wahnsinnig vor Verlangen machen. Ihr Hintern unter dem Olivfarbenen Stoff - so fest, rund und verführerisch. Mein Gott Julia ist begehrenswerter denn je, wie sie da auf dem Schafott stehend ihren letzten Tanz erwartet.
Plötzlich mein Mund an ihrem Ohr, meine Finger auf ihrem Po. Keiner wird sehen, wie meine Zunge sanft über ihre Ohrläppchen fährt, für einen Augenblick warme Wellen von sexueller Erregung in ihr auslöst.
Plötzlich reisse ich mich von ihr los- trete zurück. Ein letzter Blick, der nur uns beiden gehört und in dem zugleich alles und nichts liegt.
Julias warme Augen, die MIR Mut zusprechen zu wollen scheinen. Hitzewellen, die mir in den Unterleib fahren.
Mein Gang, als ich mich jetzt umwende und zu den Stufen trete, so geschmeidig und aufreizend, dass Alexandra mir merkwürdige Blicke zuwirft.
Auf der obersten Stufe stehend, wende ich mich zu Alexandra herum, fange ihre geradlinigen Blicke: ein kaum merkliches Nicken.
Meine Arbeit ist getan, mir bleibt nichts als herabzusteigen, mich in die Kommission einzureihen – und zuzusehen, wie Julia ihrem Tod entgegengeht.
Mein Körper mochte irgendwann zu Füssen des Galgens angelangt sein, mein Herz und meine Seele jedoch blieben für immer bei Julia unter der Schlinge.
Das Hüsteln, mit dem einer der beiden Generäle meine Ankunft quittierte, nur Augenblicke bevor der Staatsanwalt nach einem Blick auf seine längst gezückte Stoppuhr, Alexandra anzeigte, dass sie die Falltür zu lösen hatte.
Ich schloss meine Augen, hielt es jedoch kaum ein Augenzwinkern lang aus. Öffnete sie wieder gerade recht, um Alexandras vor Spannung zusammengezogene Augen zu sehen, als sie jetzt den Hebel mit einer kräftigen Handbewegung nach vorn riss.
Ihre Augen geschlossen, der Körper bis zum Zerreissen gespannt, fiel Julia in die Schlinge.
Der harte, unnachgiebige Ruck, als ihr Sturz einen Augenblick darauf an sein Ende gelangt war.
Das Zittern, welches daraufhin durch ihre Gestalt ging. Wie sie jetzt ihre Augen aufriss. Dann ihre auf dem Rücken gefesselten Hände vergeblich nach oben in Richtung der Schlinge reisst.
Der schnelle Atem eines der beiden Generäle neben mir, sobald Julias Beine gefangen im Schlauch des Rockes auszukeilen begannen.
Drei Mal.
Vier Mal.
Dann Ruhe.
Oh Gott- war es etwa bereits vorbei?
Nein.
Nur eine Sekunde darauf, erneut heftiges Zucken und Strecken. Julias Gestalt dreht sich im Seil. Weist uns jetzt ihren prallen Hintern zu. Ihre Hände, wie sie sich panisch öffnen und schliessen.
Ihr Haar, das erfasst von einem Windstoss sanft um ihren Nacken weht. Dabei für einen Moment den Blick auf den tief in ihre samtige Haut eingedrungenen Strick freigibt.
Wieder hängt Julia für eine Sekunde völlig still in der Schlinge- dann beginnt ihre Hüfte sich auf und ab zu bewegen.
Bilder, die vor meinem inneren Auge aufsteigen: Julia, wie sie sich unter meinen Händen in meinem Bett, bewegte, das helle, aufreizende Stöhnen, das dazu aus ihrer Kehle kam.
Ich kann es nicht mehr ertragen zuzusehen, wie sich ihre Schenkel aneinander reiben, ihre Füsse nach dem Boden überstrecken.
Ihre schönen Augen geschlossen, die Lippen zunehmend bläulich angelaufen, streckt, strampelt und kickt sie sich sie mit zitternden Beinen, aufgestellten Brüsten und halbgeöffnetem Mund ihrem Ende zu.
Letzte Spasmen, die nun ihre Gestalt durchlaufen. Ihre Beine leicht gespreizt, kommt sie endlich zur Ruhe.
Eine Minute darauf tritt der Arzt an Julias still in der Schlinge hängende heran, stellt umständlich seine Tasche ab, öffnet ihr Oberteil, setzt sein Stethoskop unter ihre linke Brust mit dem harten Nippel, lauscht einen Augenblick mit geschlossenen Augen, wendet sich dann um und macht mit einer entschlossenen Geste allen Anwesenden klar, dass es vorbei ist.
Der heftige Atem des kindlichen Staatsanwaltes, sobald der Arzt Julias Brüste entblösst hatte. Die unwirsche Geste eines der beiden Generäle, sobald Julias Tod nun auch hochoffiziell im Protokoll festgehalten worden ist.
Es braucht zwei harte Stösse eines der Generalsadjutanten, um den kindlichen Staatsanwalt vom Anblick von Julias Körper zu lösen.
Alexandra, die währenddessen unter dem Applaus der restlichen Anwesenden vom Galgen herabsteigt, mir einen herausfordernden Blick zuwirft, dann zu mir tritt und meine Glückwünsche zu ihrer ersten erfolgreichen eigenen Vollstreckung erwartet.
Sie wirkt so sauber, stark und entspannt. Oh Gott - genauso muss ich damals ausgesehen haben. Damals als ich selbst meine erste Kundin abgefertigt hatte, an jenem Morgen an dem ich Julia zum ersten Mal getroffen hatte.
Ich reisse mich mit allem, was ich habe, zusammen, um ein schiefes Lächeln zustande zu bekommen und schüttle Alexandra die Hand. Einer der beiden Generäle ergreift meinen Arm, lächelt mich an.
„ Sie müssen sehr stolz sein, auf so eine junge Kollegin, meine gute Sophia. So exakt, sicher und schnell habe ich es ja bisher nur von Ihnen selbst gesehen.
Sie werden dieses ausserordentliche Geschick Ihrer ehemaligen Schülerin, hoffentlich später noch ausführlicher zu würdigen wissen wollen. Ich habe eine kleine Feierstunde ausrichten lassen - Sie werden dazu erwartet.“
Kaum kann ich das oberflächliche Lächeln halten – das war keine Einladung sondern ein Befehl. Ich werde nicht darum herumkommen hinzugehen.
Die kleine Gruppe der Offiziellen sammelt sich um Alexandra, während sich durch das kleine Tor, durch welches Julia vorhin in den Hof und zum Galgen geleitet worden war, zwei Schwestern des Gefängniskrankenhauses mit einem Rollbett nähern, auf dem bereits das bläuliche Leichentuch liegt.
Man wendet sich zum Aufbruch. Mir bleibt nichts als der Gruppe der Offiziellen zu folgen. Ein letzter Blick auf Julia im Strick- sie wirkt so friedlich. Vielleicht sogar, trotz allem, würdevoll. Mein Schmerz überwältigt mich. Kaum, dass ich noch einen Schritt vor den anderen setzen kann.

XVI. Ich sehe nach draussen auf den Flur. Meine Hände liegen in Fesseln und man hat mir bereits vor Tagen mein Todesurteil verkündet. Auf der Brust meines jetzt noch blauen Gefängniskleides: die Chipkarte mit Namen, Alter, Häftlingsnummer und Gewicht.
In wenigen Stunden würde ich das blaue Kleid gegen ein olivfarbenes tauschen und zusammen mit einer anderen Verurteilten im Hof des Gefängnisses zum Galgen geführt und gehängt werden.
Ich Sophia, die Henkerin. Doch ich werde zwar mit tiefem Bedauern und wohl auch Angst, jedoch ohne irgendetwas von dem, was ich tat, bereut zu haben zu Alexandra aufs Schafott steigen und meinem Schicksal entgegengehen.
Draussen plötzlich Schlüsselklirren und Schritte. Es ist viel zu früh, mich abzuholen. Ich kann mir nicht erklären, was die Geräusche zu bedeuten haben.
Man öffnet die Tür. Ich stehe auf – mache mich, die Hände vorschriftsmäßig auf dem rücken aneinandergelegt, zum Empfang der Fesseln bereit. Wer oder was immer mir bevorsteht - es würde nicht ohne die übliche Fesselung abgehen. Und tatsächlich betritt meine Wärterin die Zelle und in ihrer Hand die Fesseln. Die sie mir geschickt und stumm anlegt bevor sie sich abwendet, zur Tür zurück schreitet und einen Besucher hereinbittet, den ich hier zu sehen nie erwartet hätte.
„ Hallo Sophia. „
Der Generalstaatsanwalt wirkt wie gewöhnlich wie aus dem Ei gepellt, mit seinem schicken dunklen Anzug, den geföhnten weissen Haaren und manikürten Fingernägeln.
„ Alles zu Ihrer Zufriedenheit? Behandelt man Sie korrekt?“
Ich kann mir ein sarkastisches Lächeln nicht verkneifen. Oh ja man behandelte mich korrekt. Genauso gut oder eben mies, wie alle anderen Todeskandidatinnen hier in Block C. Eine Frage des Blickpunkts.
„ Danke, Herr Generalsstaatsanwalt – man behandelt mich korrekt.“
„ Nun, das ist anständig. Sicher fragen Sie sich weswegen ich gekommen bin. Ich will es Ihnen mitteilen, obwohl Sie streng genommen aufgrund Ihres Verrates weder nähere Erklärungen noch Nachsicht von Seiten des Staates verdient hätten, ich hoffe das ist Ihnen bewusst?“
Ich lächle immer noch- selbst wenn es mir ungleich schwerer fällt als zuvor.
„ Andererseits haben sie sich während Ihrer Dienstzeit einige Verdienste erworben. allein, die nicht etwa Sie als Person verpflichten mich zu diesem Besuch. Wie Sie sich erinnern werden, gab es während Ihres Prozesses Fragen die Ihrer Ansicht nach offen blieben. Ich bin hier um Sie Ihnen zu beantworten. Falls Sie immer noch an Antworten interessiert sein sollten.“
Ich war es nicht, stellte ich überrascht fest.
„ Nein, vielen Dank für ihre Mühe, aber ich denke ich bin nicht länger interessiert. „
Meine Antwort traf ihn unerwartet. Er zuckte um eine Winzigkeit zusammen, wandte sich dann mit einem Schulterzucken ab.
„ Wissen sie wir hätten sie auch zusammen mit Julia hängen können - und glauben sie mir es gab einige, die diese Lösung bevorzugt hätten. Das es nicht geschah haben sie allein meiner Fürsprache zu verdanken. Das zumindest wollte ich Ihnen noch gesagt haben, bevor man Sie hängt. Betrachten sie es als eine Art Anerkennung Ihrer Dienste. Immerhin hatten sie so noch genügend Gelegenheit Ihre Nachfolgerin entsprechend ins Geschäft einzuarbeiten. Ich bin sicher, dass Ihre Komplizin Julia es Ihnen während ihres letzten Tanzes durchaus zu danken gewusst hätte.“
Er trat zur Tür. Klopfte. Bereits dachte ich, dass es damit vorbei gewesen wäre. Doch ich sollte mich irren. Eine kleine letzte Gemeinheit konnte er sich denn doch nicht verkneifen.
„ Immerhin, liebe Sophia, profitieren sie selbst in wenigen Stunden von Alexandras exzellenten Ausbildungsstand.“
Ich hätte ihn anspucken sollen, stattdessen drehte ich mich gehorsam in Erwartung meiner Wärterin zur Wand und streckte ihr willig die gebundenen Hände entgegen, sobald das Quietschen ihrer Plastiksohlen ihr Kommen ankündigte.

-Ende-



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